ღRezension zu >Das Feuerzeichen< von Francesca Haigღ

Rezension – Das Feuerzeichen, Band 1 – Francesca Haig – 480 Seiten – Heyne>Fliegt Verlag

Vielen Dank an den Heyne>Fliegt Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Mehr Informationen zum Buch erhaltet ihr hier:

http://www.randomhouse.de/Buch/Das-Feuerzeichen-Roman/Francesca-Haig/e481957.rhd

Der Inhalt:

Als Zwillinge geboren, zu Feinden erzogen

Vierhundert Jahre in der Zukunft: Durch eine nukleare Katastrophe wurde die Menschheit zurück ins Mittelalter katapultiert. Es ist eine Welt, in der nur noch Zwillinge geboren werden. Zwillinge, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ohne einander nicht überleben können. Allerdings hat immer einer von beiden einen Makel. Diese sogenannten Omegas werden gebrandmarkt und verstoßen.

Es ist die Welt der jungen Cass, die selbst eine Omega ist, weil sie das zweite Gesicht besitzt. Während sie Verbannung, Armut und Demütigung erdulden muss, macht ihr Zwillingsbruder Zach Karriere in der Politik. Cass kann und will diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen und beschließt zu kämpfen. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Doch die Rebellion hat ihren Preis, denn sollte Zach dabei sterben, kostet das auch Cass das Leben …

(Inhalt von Amazon.de)

Das Cover:

Das Cover finde ich sehr gelungen. Man sieht das Omegazeichen und es wirkt tatsächlich, als wäre es gerade erst in das Papier gebrannt worden, was einem beim Lesen ganz stark an eine Szene erinnert. Schon vom Cover her kann man sich also gut in die Geschichte einfühlen: den Schmerz und die Schmach ein Omega zu sein. Die Aufmachung des Buches passt für mich einfach perfekt in das Genre der Dystopie, aber dennoch fällt es auf. Es springt einem ins Auge und man will einfach wissen, was dahinter steckt.

Der Schreibstil:

Der Schreibstil der Autorin ist eigentlich sehr schön. Francesca Haig legt besonders viel Wert auf die zwischenmenschlichen Geschehnisse, was zur Thematik passt, denn immerhin geht es vor allem um die Beziehung zwischen Zwillingen. Durch die Erzählperspektive kann man sich gut in die Situationen einfühlen, in denen sich Cassandra befindet, und ihre Handlungen nachvollziehen.

Meine Meinung:

Der Klappentext dieser Dystopie hat mich sofort neugierig gemacht, weil ich die Idee einfach super fand. Die Welt, die Francesca Haig geschaffen hat, ist – wie ich finde – doch erschreckend realistisch. Nach einer atomaren Explosion hat sich viel auf der Erde verändert. Wenn, dann werden nur noch Zwillinge geboren. Eines der Kinder ist der Alpha: gesund, kräftig und stark. Das andere Kind ist der Omega: durch die Strahlung meist in irgendeiner Weise mutiert oder verstümmelt. Das bedeutet natürlich, dass ein Kind in gewisser Weise immer ungeliebt sein wird und im Laufe der Zeit hat sich die Sitte manifestiert, dass der Omega aus der Familie ausgestoßen und im Prinzip verbannt wird. Dieses Kind wird mit einem Omegazeichen für alle auf der Stirn gebrandmarkt. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als in einem Omegadorf nach Schutz zu suchen. Trotzdem sind beide Zwillinge fürs Leben verbunden, denn was dem einen zustößt, dass geschieht auch dem anderen. Was nichts anderes bedeutet, als dass beide krank werden, beide zusammen sterben. Diese Verbindung fand ich sehr faszinierend.

Cass und Zack sind solche Zwillinge, aber anders als es sonst üblich ist, kann man zwischen ihnen keinen körperlichen oder geistigen Unterschied erkennen, um sie zu selektieren. Sie wachsen zusammen auf, entwickeln eine gewisse Beziehung zueinander, aber man merkt dennoch schnell, dass eine Kluft zwischen den Zwillingen entsteht. Von ihren Eltern haben sie nicht viel Liebe zu erwarten, da sie es sonderlich finden, dass es keinen Unterschied zwischen den Kindern gibt. Cass weiß, dass sie der Omega ist, aber sie stellt sich nicht. Zack leidet darunter und er ist sich sicher, dass Cass der Omega ist, hat aber keinen Beweis dafür. Er will endlich das Leben, das ihm als Alpha zusteht. Nur durch einen Unfall findet Zack schließlich den Beweis und versucht sie danach immer wieder zu entlarven.

Man wird sofort in die Geschichte geworfen, denkt, es geht gleich so richtig los und wird mega spannend … Aber dann fällt die Spannung einfach nur in den Keller. Ich verstehe, warum es wichtig ist, dass man die Geschehnisse aus der Sicht von Cass aufarbeitet. Wie sie mit ihrem zusammen Bruder aufgewachsen ist, was zwischen den beiden geschehen ist, damit man ihre Entscheidungen verstehen kann. Aber ich konnte es dennoch nicht so ganz. Cass liebt ihren Bruder Zack über alles, trotz dass er sie verraten, eingesperrt und allein gelassen hat. Er raubt ihr ihre Freiheit, ja ihr ganzes Leben, nur um sich selbst zu schützen, aber dennoch liebt Cass ihn. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber ich konnte einfach keine wirkliche Sympathie zu ihr aufbauen. Erst als sie beschließt sich gegen das System aufzulehnen, konnte ich eine Verbindung zu ihr aufbauen, aber die langen Passagen haben es mir schwer gemacht mich ihr wirklich nah zu fühlen.

Natürlich ist mir klar, dass man in einer isolierten Gefangenschaft keine langen Dialoge erwarten kann, aber trotzdem hat die ewige Sicht in die Vergangenheit der Geschichte für mich irgendwie den Wind aus den Segeln genommen. Und auch die Beziehung zwischen den Alphas und Omegas, die für mich im Grunde sehr faszinierend und spannend klang, ist für mich irgendwie nicht nachvollziehbar. Es ist eine Welt, in der die Menschen in Rubriken eingeteilt werden. Die einen haben es gut, die anderen müssen ums Überleben kämpfen. Aber ganz ehrlich? Wenn mein Leben von dem meines Zwillings abhängen würde, dann wäre ich doch bemüht, dass es dem gut geht, oder nicht? Dann würde ich dafür sorgen, dass er genug zu essen hat, ein Dach über dem Kopf, dass er nicht jeden Tag hart schuften muss, da er doch körperlich beeinträchtigt ist. Aber nein, die Alphas verstoßen ihre Zwillinge lieber, wissen nur ungefähr, wo sie sind und wie es ihnen geht. Sie suchen lieber nach einer Lösung, die Omegas zu unterdrücken, einzusperren und am besten alle zu vernichten. Hä?

Als Cass flieht wurde die Geschichte doch noch spannend. Dachte ich. Sie findet heraus, dass die Alphas einen Weg gefunden haben, ihre Zwillinge und so sich selbst zu „schützen“. Diese Enthüllung war für mich das Spannendste am ganzen Buch, denn Technologie ist nach der verheerenden Explosion eigentlich verboten, wird vom Alpha-Rat, der die Welt regiert, aber dennoch weiter betrieben. Und auch Kip, ein Junge, den Cass befreit und der sich ihrer Flucht anschließt, hat für mich einen großen Teil zum Spannungsbogen beigetragen. Mir war schon klar, dass sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte entwickeln wird, aber ehrlich gesagt hätte ich darauf auch gut verzichten können. Ich habe gehofft, dass es ab diesem Punkt mit der Geschichte bergauf geht, aber trotzdem zog sich auch die Flucht letztlich in die Länge. Das Ende hat mich dann aber doch in seinen Bann gezogen und macht mich neugierig auf den nächsten Teil.

Schön fand ich allerdings die Grundidee, die Enthüllungen und den Aspekt, den Cass immer wieder anbringt, dass jeder Mensch – egal welche körperlichen Makel er hat – akzeptiert werden sollte. Das ist für mich eine wichtige Message des Buches. Trotz den Längen und der fehlenden Spannung hat die Reihe für mich Potenzial und ich hoffe, dass es nach dem ersten Teil, in dem im Prinzip alle Hintergründe beschrieben wurden, bergauf geht und jetzt die Spannung in die Geschichte kommt. Die Idee dazu ist jedenfalls super und tatsächlich etwas Neues.

Fazit:

Eine eher ruhige, dennoch interessante Dystopie mit einigen Längen, aber einer Thematik, die zum Nachdenken anregt. Ich vergebe 3,5 / 5 Leseeulen mit einer Tendenz nach oben!

Sylvia von Bücher ღ weil wir sie lieben

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